About Freyja
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About Frigg

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Frigg ist die jüngste Gottheit im Dreierbund der Baumweltensaga. Gleich zu Anfang muss klargestellt werden, dass Freyja und Frigg zwei Personen sind. Sie werden gern als ein Wesen zusammengeworfen. Ich habe dem Bonner Skandinavisten Arnulf Krause mal die Frage nach der Abgrenzung von Freyja und Frigg gestellt. Seine Antwort fiel eindeutig aus. Freyja gehört zum (älteren) Geschlecht der Wanen und Frigg ist eine Asin. Denn nicht nur gehören sie zwei Geschlechtern an, die sich lange erbittert bekämpften, auch ihre Wesen sind so grundverschieden wie ihre Zuständigkeiten – jedenfalls vor den christlich normierten Standards für Göttinnenzuständigkeiten wie Liebe und Fruchtbarkeit. Als Randgedanken zum Begriff „Fruchtbarkeit“ möchte ich allerdings noch einwerfen: wer in einer agrarisch geprägten Gesellschaft für Fruchtbarkeit zuständig ist, kümmert sich um nichts weniger als die Kernaufgabe dieser Gesellschaft.

Unbestreitbar sind Freyja und Frigg die Führerinnen ihres Geschlechts. Freyja ist die „Führerin der ersten Matriarchinnen“ (Lexikon Barbara G. Walker Zweitausendeins, 1993) und Frigg ist in vorchristlichen Zeiten nicht weniger als die Gebieterin der Heiligen Ordnung. Ich dachte da sofort an die Aufgaben der Maat im ägyptischen Kontext, die selbst der nüchterne Brockhaus (Brockhaus 1990, Bd. 13) als Bezeichnung für die kosmische Ordnung sowie Gerechtigkeit und Wahrheit darstellt.

Für Frigg hat dasselbe Lexikon folgende Beschreibung übrig: altgerman. Göttin, Gemahlin Odins (Wodans) und Mutter von Baldur. (Bd. 7 1988) Bämm! Die höchste Gottheit der Germanen als Frau von… und Mutter von… . Einen Satz weiter wird sie gewürdigt mit den Worten: F. scheint bei allen germanischen Völkern bekannt gewesen zu sein. Ein Alleinstellungsmerkmal, das selbst Freyja nicht hat. Doch gleich im nächsten Satz wird Friggs Platz zementiert: Sie vertrat das mütterliche Prinzip und galt als Göttin der Fruchtbarkeit und Ehe.

Keine Verbindung mehr zur (kosmischen) Ordnung als dem allerhöchsten Element des Daseins. In den Merseburger Zaubersprüchen (auch eine theologische Handschrift, in althochdeutsch verfasst im 9./10.Jahrhundert) wird die Sonne, Sunna, als Friggs Schwester beschrieben.  Die Sonne ist ein weiteres Grundelement und Ordnungsgestirn und Frigg wird, wie der hochangesehene ägyptische Maat (Tochter des Sonnengottes und Weltenschöpfers Re), zur Sonne in Relation gesetzt.

Als Hüterin der Ehe wird wird Frigg auch als Hüterin des Herdfeuers beschrieben. Hier findet sich, mit christlichen Überlieferungsstandards abgesegnet, immerhin ein feuriges Element, wenn auch domestiziert.

Wie es im Übrigen ein interessanter Aspekt ist, dass in altisländischen Schriftstücken, der Sagensammlung Edda, nur eine einzige Feuergottheit beschrieben wird, Loki. Keine Frau ist für das Element in seiner ungebändigten Form zuständig. Eine Vulkangottheit kennt die Edda überhaupt nicht. Und das auf Island! In alten Zeiten gab es für jede Naturerscheinung eine zuständige Kraft in Form einer Gottheit oder eines Dämons (m/w/d). Also wer hatte diese Zuständigkeit? Und warum wird sie nicht erwähnt?

Ist es weit hergeholt, den Blick zur Beantwortung dieser Frage darauf zu richten, dass das einzige Schriftstück mit den Überlieferungen der vorchristlichen Kultur Islands und Nordeuropas aus dem 12. Jahrhundert stammt, dem Zeitpunkt der Christianisierung des sog. Heidnischen Nordens. Und die (nur männlichen Autoren) waren zumeist auch noch christliche Geistliche.

Also keine Vulkangottheit. Und Frigg darf sich ums Herdfeuer kümmern…  Dieses Detail bestimmte den Weg zur Gestaltung der Frigg in der Baumweltensaga. Eine Gottheit, die sich mit christlichem Einverständnis fürs Herdfeuer zuständig fühlen darf, hatte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mal andere Qualitäten im Hinblick auf das ihr zugesprochene Element Feuer. Ihre Verbindung zur Sonne als Zentralgestirn der kosmischen Ordnung ist ein weiterer Sargnagel für die Authentizität christlicher Provenienz.

Im dritten Teil der Baumweltensaga reist Frigg in Familienangelegenheiten auf den pazifischen Feuerring nach Sumatra, verliebt sich in einen Vulkan, wird von einem ruhelosen Geist bedrängt, durchquert die sieben Pforten der Unterwelt und erkennt allmählich ihre wahren Fähigkeiten. Kurzum: eine Bildungsgeschichte der etwas anderen Art.

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